26.03.2016

Batman v Superman: Dawn of Justice - Weniger als die Summe seiner Teile


„Taugt nichts“ sagt die Fachpresse, die meisten Zuschauer werden ihn durch einen Satz mit X beschreiben und auf dem Tomatometer erreicht der Streifen grade mal einen Score von 30%.

Batman v Superman (der fescherweise auf das ‚s‘ in ‚vs‘ verzichtet) ist wahrlich kein geliebter Film. Positiv gesinnte Rezensenten deklarieren ihn mit „comicnah“ oder „detailgetreu“, das war aber auch schon das Maximum positiver Worte.
Nichtsdestotrotz nehme ich dieses filmische Produkt als Anlass, nach langer Zeit mal wieder etwas Kritikähnliches zu verfassen. Und das bei dem guten Wetter!

- Da dies zu erwähnen momentan Trend ist: Spoiler gibt es hier nicht. -

Für mich sollten einen guten DC-Film drei große Merkmale auszeichnen: (1.) Er sollte Charakter haben, (2.) er sollte eine große Portion Fanservice enthalten, (3.) er sollte ein von der Masse konsumierbares Produkt sein. Ob dies gelingt? Finden wir es heraus.

Batman v Superman ist ein Mammutprojekt. Groß wird der Streifen im Marketing beworben, weltweit soll er Zuschauer anziehen, Enthusiasmus hervorrufen und Gewinne generieren.
Der Film bietet dementsprechend viel. Extrem viel! Hier sehe ich ein bisschen Batman, dann habe ich das Gefühl, auf einer imaginären Kino-Fernbedienung hätte jemand den Sender gewechselt und es läuft Superman. Im nächsten Moment wachsen beide Versionen plötzlich zu einem marvelähnlichen Konstrukt zusammen.
Das Positive: Rein nominell wird dem Zuschauer hier zweifellos einiges geboten. Das ist an und für sich gut – auch wenn sowas in Superheldenfilmen für einige Rezensenten ein No-Go darstellt (man bedenke die leidige Amazing Spider-Man 2-Diskussion).
Das Negative: Daran, die einzelnen Fäden zu einem wunderschön komplexen Gesamten zusammenzustricken, scheitern die Produzenten. Werden die Handlungsstränge zunächst möglichst unabhängig voneinander betrachtet, werden sie schließlich mit dem Holzhammer zusammengehauen. Während Batman v Superman von Anfang an also viel zu tief und lange Luft holt, geht ihm danach recht schnell die Puste aus.
Für den gewöhnlichen Zuschauer, der ohne großes Vorwissen das Kino besucht, bedeutet dies vor allem eins: Chaos! „Wer steht jetzt eigentlich im Fokus?“, „Zu wem soll ich halten?“, „Warum eigentlich der ganze Stress?“
Vor allem die letzte Frage dürfte sich jeder Kinobesucher zumindest einmal während des Films stellen. Die Motivik der Figuren ist zuweilen nicht schlüssig. Gut, dass Trailer und ähnlich ausgelegte Marvel-Filme uns allerdings eingetrichtert haben, wie so ein Film klassischerweise aussieht. Letztendlich ist es diese innerliche Normvorstellung, die uns dabei hilft, den Überblick zu bewahren. Man weiß halt, wie der moderne Superheldenfilm gestrickt ist und was als nächstes passiert.
Überraschen kann Batman v Superman also nicht wirklich. Andererseits erfüllt er dementsprechend aber auch die allermeisten Erwartungen. Wer gute Action erwartet, bekommt seine Action; Wer dicken Beef erwartet, bekommt seinen Beef. Tonal ist es der dunkle Film geworden, der es sein muss, wenn die Figur Batman integriert ist.
Alle Einzelteile sind solide. Die Besetzung durch die Bank gelungen, der Antagonist interessant gestaltet, die Musik zwar wenig markant und teils affektiert theatralisch, aber grundsätzlich passend zu Bild, Schnitt und Handlung.

In Anbetracht dieser kurzen Analyse wage ich eine Synthese bezüglich der oben genannten Merkmale, die der Film m.M.n erfüllen sollte (Charakter, Fanservice, Konsumprodukt).
Batman v Superman glänzt nicht mit Charakter (1.). Anders als zwei der drei Ironman-Filme, die Batman-Trilogie oder die Avengers, bemüht sich der Film nicht um Übersichtlichkeit. Die fehlende tonale Stimmigkeit gestaltet ein Eintauchen schwer, die schwierige Identifikation konfligierenden Figuren hält den Zuschauer auf Distanz. Es ist schwer, dem Film in diesen Wirr-Warr einen klaren Charakter zuzuschreiben.
Fanservice und Detailtreue (2.) sind dagegen dennoch gegeben und womöglich ein Grund für dieses Wirr-Warr (hier empfehle ich einfach mal die Kritik des Youtube-Channels ‚Filmfabrik‘: Link)
Der große dritte Aspekt, dass Batman v Superman auch ein von der Masse konsumierbares Produkt sein muss, leidet schließlich unter dem Konflikt der ersten beiden Punkte. Die Einzelteile des Streifens machen Spaß, wer allerdings keine Motivation hat, auf jede Kleinigkeit zu achten, wird von dem zusammengeflickten Gesamtpaket nicht zwangsläufig begeistert sein.

Alles in allem ist der Film also eins: Okay. Weder kann man das Werk durch „Taugt nichts“ deklarieren. Ein von den Details begeisterter Fan muss sich wohl oder übel jedoch eingestehen, dass ein gelungener Film mehr als die Summe seiner Teile sein muss und hier versagt Batman v Superman auf voller Linie.


Die Vorwerbung von Turkish Airlines bezügl. Gotham lohnt sich aber.